Führungsimpulse: Emotionale Intelligenz
Vor Kurzem sagte ein erfahrener Berater in einem meiner Trainings:
„Stefan, fachlich bin ich stark. Aber sobald ein Gespräch emotional wird, verliere ich meine Klarheit.“ Ein Satz, den viele kennen. Nicht, weil ihnen Kompetenz fehlt – sondern weil Emotionen im Gespräch oft stärker sind als Argumente.
Dabei sind Emotionen kein Hindernis. Sie sind Informationen, Orientierung, Beziehung.
Und richtig genutzt: ein strategischer Vorteil.
Oder wie Hermann Hesse herrlich humorvoll schrieb: „Was nicht in uns selber ist, das regt uns nicht auf!“ (Ein Zitat, das in Coachings regelmäßig für stille Selbsterkenntnis UND leises Schmunzeln sorgt.)
Warum Emotionale Intelligenz das neue Fachwissen ist
In Beratung, Führung und Kundeninteraktion gilt: Fachwissen bringt dich in den Raum.
Emotionale Intelligenz hält dich dort erfolgreich.
Sie entscheidet darüber,
- ob Konflikte eskalieren oder sich lösen,
- ob Kund:innen vertrauen oder sich verschließen,
- ob ein Gespräch stockt oder produktiv wird.
Darum ist Emotionale Intelligenz ein zentraler Bestandteil meines Trainings „Emotionale Intelligenz in der Beratung“ – weil sie sofort spürbare Wirkung entfaltet.
Emotionen führen – statt von ihnen geführt zu werden
Schwierige Gespräche oder auch komplexe Projekte scheitern selten an Fakten. Sie scheitern daran, dass Gefühle unbewusst das Steuer übernehmen. Emotionale Intelligenz bedeutet, diese Gefühle zu erkennen, zu regulieren und bewusst einzusetzen.
Hier eine der wirkungsvollsten Übungen, die ich im Training vermittle:
🧠 Übung: Die 3-Schritte-Regulation für schwierige Gespräche
1️⃣ Fühlen – Erkennen – Akzeptieren
Das Gefühl bewusst wahrnehmen und benennen. Das schafft Ruhe, Distanz und emotionale Entlastung. „Ich spüre Ärger.“ „Ich bin gerade verunsichert.“ Was ausgesprochen wird, verliert an Macht.
2️⃣ Bedeutung erkennen – kritisch durchleuchten
- Was genau löst das Gefühl aus? Was will es mir sagen?
- Ist das Szenario realistisch oder überhöht?
- Welche Möglichkeiten entstehen, wenn ich tiefer schaue?
- Welche Perspektiven eröffnen sich?
Hier beginnt bereits der Lösungsraum. Details, Chancen und Klarheit werden sichtbar.
3️⃣ Maßnahme & Kernbotschaft ableiten
Jetzt entsteht Wirksamkeit:
- Welche Handlung beruhigt die Situation?
- Welche Botschaft will ich erkenne ich?
- Welche Schritt-für-Schritt-Aktion bringt mich aus der Emotion ins Tun?
Emotion wird zum Motor für Fokus, nicht zum Stolperstein.
🔥 Praxis-Tipp: Umgang mit Ärger im Gespräch
Ärger ist selten der Feind. Aber er ist ein schlechter Gesprächsleiter.
So bleibst du professionell – auch wenn’s hitzig wird:
✔️ 1. Verhalten ansprechen, nicht die Person
„Mir ist aufgefallen, dass …“ statt „Sie sind immer …“
✔️ 2. Aktiv zuhören, ohne sofort zu kontern
Das beruhigt die Situation und schafft Raum für Verständnis.
✔️ 3. Sachebene konsequent in den Vordergrund stellen
Neugier statt Angriff, Fakten statt Emotion, Fragen statt Urteilen.
✔️ 4. Nicht persönlich nehmen
Meist geht es um das Thema – nicht um dich. (Und falls doch, ist das ein anderes Gespräch.)
🎯 Fazit: Emotionale Intelligenz baut Brücken – gerade in schwierigen Gesprächen
Emotionen sind keine Störung, sondern das Trägermaterial für Vertrauen. Wer sie erkennt, reguliert und einsetzt, führt souveräner, berät klarer und baut Verbindungen, wo andere Fronten sehen.
Emotionale Intelligenz ist kein „Soft Skill“ – sondern ersetzt Fachwissen und dies gilt, je höher der Rang in der Hierarchie ist.
Denn wer Emotionen versteht, versteht Menschen. Und wer Menschen versteht, führt besser.



