Muss ich? Soll ich? Oder will ich sogar im Urlaub erreichbar sein?
Kaum ein Thema wird in Führungsetagen so unterschiedlich beantwortet.
Die einen sagen: „Ich bin im Urlaub. Punkt.“
Die anderen sagen: „Ich bin im Urlaub. Aber wenn etwas ist …“
Genau dort beginnt das Problem, denn wenn das „wenn etwas ist“ immer gilt, war es nie wirklich Urlaub.
In meiner beruflichen Laufbahn habe ich nie erlebt, dass jemand gekündigt wurde, weil er im Urlaub nicht erreichbar war. Ich erlebe aber oft, dass Führungskräfte kaum noch abschalten.
Nicht, weil sie wirklich immer gebraucht werden, sondern weil sie innerlich das Gefühl haben: „Ohne mich geht es nicht.“
Das klingt nach ernst genommener Verantwortung, kann aber auch ein Hinweis sein:
zu wenig Delegation,
zu wenig Vertrauen,
zu wenig Klarheit im Team.
Erreichbarkeit ist kein Beweis für Commitment und Führungskompetenz. Manchmal ist sie ein Zeichen dafür, dass die Organisation zu stark an einzelnen Personen hängt.
Wenn Entscheidungen liegen bleiben, sobald eine Führungskraft offline ist, dann ist nicht der Urlaub das Problem.
Dann fehlen Strukturen, Vertretungen, klare Zuständigkeiten und – ganz wichtig – Vertrauen.
Dauerhafte Urlaubserreichbarkeit sollte nicht als Stärke verkauft werden und Kontrolle nicht höher bewertet werden als Vertrauen. Führung bedeutet eben nicht, immer verfügbar zu sein.
Führung bedeutet,
👉 Strukturen zu schaffen
👉 Abhängigkeit von der eigenen Person zu reduzieren,
👉 ein arbeitsfähiges Team mit Verantwortung und Vertrauen auszustatten.
Natürlich gibt es Ausnahmen, wie Krisen, echte Notfälle und vereinbarte Eskalationspunkte.
Drei Fragen helfen vor dem Out-of-Office:
1️⃣ Wann will ich wirklich kontaktiert werden?
Nur bei Brand? Oder schon bei leichtem Seitenstechen in der Projektstruktur?
2️⃣ Wer entscheidet während meiner Abwesenheit?
Vertretung ist ein Test für Rollenklarheit und Vertrauen.
3️⃣ Welche Botschaft sende ich meinem Team?
Wenn ich immer erreichbar bin, sage ich indirekt: „Ihr könnt es nicht ohne mich.“ Nicht erreichbar zu sein, bedeutet Loslassen und Vertrauen. Wem das schwerfällt, sollte sich vielleicht nicht mit E-Mails am Strand beruhigen, sondern vorher an Delegation, Klarheit und Vertretung arbeiten.
Fazit: Nicht erreichbar zu sein, ist nicht automatisch Kontrollverlust.
Manchmal ist es sogar der beste Beweis dafür, dass Führung vorher gut gearbeitet hat. 😊
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