Führungsimpulse: Fehlerkultur

Vor einigen Monaten sagte mir ein Coachee mit ernster Stimme:
„Stefan, ich habe Angst, dass Fehler in meinem Team sofort gegen das Team oder mich persönlich verwendet werden. Also versucht jeder, perfekt zu sein. Und wenn etwas schiefgeht, wird es vertuscht.“

Genau hier beginnt das Problem: Nicht der Fehler selbst macht Teams kaputt – sondern die Angst davor, ihn zuzugeben. Konfuzius wusste das schon lange vor uns: „Wer einen Fehler gemacht hat und ihn nicht korrigiert, begeht einen zweiten.“

Moderne Führung braucht daher etwas anderes als Perfektion: Sie braucht Vertrauen, Offenheit und vor allem gemeinsame Standards, wie mit Fehlern umgegangen wird. Fehler sind unvermeidbar. Vertuschung oder endlose, problemorientierte Diskussionen hingegen sind eine Entscheidung.

Und genau diese Entscheidung ist gefährlich:

  • Sie verhindert Lernen
  • Sie zerstört Vertrauen
  • Sie fördert Schuldzuweisungen
  • Sie blockiert Innovation

Fehler sind kein Versagen – sie können einen positiven Kern besitzen und etwas wertvolles zeigen:

  • Wo ein Prozess verbessert werden kann
  • Wo Informationen fehlen
  • Wo Abstimmung notwendig ist
  • Wo eine Chance steckt, es künftig besser zu machen

Fehler sind Hinweise – keine Katastrophen. Sie können Rohmaterial für Innovation sein. Wer das erkennt, führt sein Team in eine gesündere, mutigere und lernorientierte Zukunft. Wie du Fehler behandelst, prägt dein Team im Umgang mit Fehlern.

Klar definierte, gemeinsame Standards für den Umgang mit Fehlern bestimmt eure Fehlerkultur und damit eure Innovationskraft:

1️⃣ Respektvolle Kommunikation

Fehlergespräche sind keine Gerichtsurteile. Sie sind Entwicklungsgespräche.

Respekt schafft Offenheit – Offenheit schafft Sicherheit – Sicherheit schafft Wachstum.

2️⃣ Offenes Eingeständnis statt Abwarten

Je früher ein Fehler angesprochen wird, desto größer die Chance, ihn zu korrigieren.

Ein einfacher Satz wie „Da ist mir etwas passiert – lass uns sofort hinschauen“ verhindert Stunden, Tage oder Wochen an Folgeschäden.

3️⃣ Klare und standardisierte Vorgangsweise bei Auftreten eines Fehlers: Wer macht was, bis wann?

Folgende Fragen werden gestellt:

  • Wie ist er passiert?
  • Was muss korrigiert werden?
  • Wer übernimmt die Korrektur bis wann?
  • Wie stellen wir sicher, dass er nicht wieder auftritt?
  • Und optional:
    Wer gibt bis wann Rückmeldung, dass es erledigt wurde?

Diese Struktur macht Fehler zu Prozessen – nicht zu Dramen, die Schuldfrage kommt nicht vor.

4️⃣ Abschließender Tipp: Keine Warum-Fragen stellen- „Warum ist das passiert?“ führt in 99 % aller Fälle zu:

  • Rechtfertigungen
  • Schuldzuweisungen
  • Vergangenheits- und Problemorientierung

Stattdessen:
Was ist passiert?
Wie ist es passiert?
Was machen wir jetzt?
Was lernen wir für das nächste Mal?

Das führt zu Lösungen – nicht zu Verteidigungsreden.

Fazit: Fehler sind Hinweise, keine Urteile. Die entscheidende Frage, wie ebenso bei Konflikten, lautet nicht:
„Wie verhindern wir Fehler?“ sondern „Wie gehen wir gemeinsam damit um?“

Eine Kultur, in der Fehler offen angesprochen werden, korrigiert werden und als Lernchance dienen, macht Teams mutiger, schneller und innovativer.

Fehler mit entsprechender Fehlerkultur sind nicht das Ende – sondern der Anfang einer besseren Version unserer Arbeit. 😌


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert