„Eigentlich hätte ich es schon vor Monaten ansprechen sollen …“
Diesen Satz höre ich in Gesprächen mit Führungskräften häufiger, als mir lieb ist.
Vor kurzem sagte eine Führungskraft zu mir:
„Stefan, ich wollte mein Team nicht demotivieren – jetzt habe ich zwei Kündigungen am Tisch.“
Kontext
Ein Mitarbeiter hatte über Monate hinweg Termine verpasst und Ergebnisse verspätet geliefert.
Die Führungskraft hat das gesehen.
Sie hat sich darüber geärgert.
Aber sie hat das Thema nicht angesprochen.
Die Gedanken dahinter waren typisch:
„Jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt.“
„Das klärt sich bestimmt von selbst.“
„Ich will die Beziehung nicht belasten.“
„Ich brauche noch mehr Argumente.“
Also warten wir und was in solchen Situationen fast immer passiert:
• Der Ärger wächst, weil unsere Aufmerksamkeit immer stärker auf das Problem gerichtet ist.
• Unsere Interpretation wird negativer – aus negativer Beobachtung wird ein allgemein negatives Urteil.
• Die MitarbeiterIn spürt die negative Veränderung in der Beziehung, auch wenn nichts ausgesprochen wird.
Und irgendwann kommt das Gespräch doch.
Aber dann nicht mehr als ruhige Klärung auf Augenhöhe –
sondern emotionaler, persönlicher und weniger lösungsorientiert.
👉 Der häufigste Irrtum lautet:
„Wenn ich das Thema nicht anspreche, schütze ich die Beziehung.“
In Wirklichkeit passiert meist das Gegenteil.
Unausgesprochene Themen belasten Beziehungen stärker als ein früh geführtes Gespräch.
Deshalb haben wir an drei Punkten gearbeitet:
1️⃣ Beobachtungen statt Bewertungen
Viele Gespräche eskalieren, weil Führungskräfte mit Bewertungen einsteigen.
Nicht:
„Du bist unzuverlässig.“
Sondern:
„Mir ist aufgefallen, dass die letzten drei Berichte später als vereinbart gekommen sind.“
Beobachtungen beschreiben Verhalten. Bewertungen greifen die Person an.
2️⃣ Zukunft klären statt Vergangenheit verteidigen
Wenn Gespräche nur Ursachen analysieren, entstehen schnell Rechtfertigungen.
Wir haben den Fokus auf die Zukunft gelegt:
• „Was brauchen wir, damit es künftig funktioniert?“
• „Was wäre ein realistischer nächster Schritt?“
So entsteht Zusammenarbeit statt Verteidigung und Interesse an gemeinsamer Lösung statt an der Schuldfrage.
3️⃣ Themen früher ansprechen
Führen Sie ein Gespräch früher als geplant, immer mit der Absicht zur gemeinsamen Verbesserung und nicht um Kritik, Abwertung oder Druck auszuüben.
Das Ergebnis:
Die Führungskraft hat das Gespräch geführt – klar, respektvoll und lösungsorientiert.
Das Verhalten kann sich in die gewünschte Richtung entwickeln
und die Zusammenarbeit im Team wurde wieder deutlich entspannter.
👉 Eine Frage zum Schluss:
Welches Gespräch in Ihrem Führungsalltag
schieben Sie gerade vor sich her?



