Mag. Stefan Jezl

Leichter Arbeiten- wertschätzende Kommunikation

Wertschaetzende Kommunikation

Wertschätzende Kommunikation kann einen Turbo in ihrer Zusammenarbeit zünden. Wie genau das in der Umsetzung funktioniert, möchte ich Ihnen praxisgerecht zeigen.

 

Wertschätzung ist Anerkennung, die vom Herzen kommt. Wertschätzung äußert sich durch beständige Zuwendung und Aufmerksamkeit sowie durch einen respektvollen Umgang mit dem anderen. Loben unterstellt eine Rangordnung (Chef lobt Mitarbeiter, selten umgekehrt) und ist meist leistungsbezogen, wo hingegen Wertschätzung frei von Rangordnung und statt leistungs- menschenbezogen ist. Sie wirkt dadurch auch weniger manipulativ auf Mitarbeiter. Wertschätzung ist nicht messbar, aber spürbar durch ein gemeinsames Wollen, die Lust und Freude, gemeinsam Erfolge zu erreichen.

 

Nun der zweite Begriff Kommunikation. Kommunikationsprozesse unterliegen keineswegs nur einer Sachebene. Sie unterliegen je nach Kontext in hohem Maße der Beziehungsebene, unbewussten Einflüssen, wie selektive Wahrnehmung, projektiven Vorstellungen, sowie der Verdrängung von störenden oder unerwünschten Teilen der Realität. Diese Kommunikationsstörungen lassen sich in der Regel nicht nur rational verstehen und beheben.

Wir alle haben eine Art interne Suchmaschine in unserem Gehirn integriert, sobald wir etwas hören, beginnt unser Gehirn zu assoziieren (zu googeln[1]), um das Gesagte einzuordnen und zu verstehen. Damit entsteht auch sofort der Drang seine eigenen Erfahrungen, Meinungen oder Ideen einzubringen. Beobachten Sie einmal wie oft jemand in einer Alltagskommunikation sofort von sich spricht, ohne auf das Gesagte des Anderen einzugehen. Es zeigt sich oft, dass der Drang sich zu präsentieren, um seinen Selbstwert zu steigern, größer ist als die Möglichkeit zu nutzen Neues zu erfahren und sich damit weiterzuentwickeln. Widerstehen Sie dem inneren Impuls des eigenen Kommentars und wachsen Sie durch Informationen anderer!

 

Marshall Rosenberg hat durch seinen Prozess der Gewaltfreien Kommunikation [2] ein weltweit stark beachtetes Kommunikationsmodell geschaffen, welches aus 4 Schritten besteht. Wenden Sie dieses Modell, oder Teile davon, in Ihrer Kommunikation an – und Themen der Konfliktvermeidung, Konfliktbereinigung oder Teamentwicklung lösen sich von selbst auf:

 

 

 

 

 

Bitten sind weniger erfolgversprechend [3]

 

Verstärkend wirken Bitten, die in der Gegenwart überprüfbar sind (was brauchen sie jetzt, welche Handlungen werden sie jetzt setzen) und schließlich dem Angesprochenen die Entscheidungsfreiheit lassen („…stimmen sie überein…, …ist es in Ordnung…“).

Auch gibt es wesentliche Nebenbedingungen: Je stärker die Beziehungsebene zu meinem Gegenüber durch eine Atmosphäre des Vertrauens und Respektes gestärkt ist, desto weniger werden Bitten als Forderungen aufgefasst und natürlich umgekehrt!

 

Innerhalb einer Kommunikation gibt es vier hervorragende Strategien, um einen Wortwechsel in Spannung zu versetzen, J. Gottman nennt diese die vier apokalyptischen Reiter:

  1. Kritik: Man kritisiert den anderen, möglichst unspezifisch, aber gleichzeitig stark wertend, statt einfach eine Beschwerde oder Bitte vorzubringen,
  2. Verachtung: Aus Körpersprache, Gesichtsausdruck oder sarkastischen Formulierungen kann Abscheu oder Widerwillen ohne sprachlichen Ausdruck gut transportiert werden. Dies ist der deutlichste Angriff auf unser emotionales Gehirn und für unser limbisches System ein Verlust des Gleichgewichtes.
  3. Gegenangriff: Die Schlacht beginnt und keiner wird gewinnen. In politischen oder religiösen Systemen wird dies über Jahre zum unendlichen Leid vieler Menschen exerziert.
  4. Rückzug: Jedenfalls im Privatleben eine Spezialität der Männer und bringt Frauen in Rage. Auch Ignorieren fällt in diese Kategorie.
    Gegenangriff oder Furcht sind evolutionstechnisch über viele Jahrtausende geeignete Strategien gewesen um zu überleben. Allerdings begegnen uns heute Säbelzahntiger nicht mehr auf der Straße, und selbst wenn man manchmal einen Menschen als solchen halten würde, sind diese Strategien langfristig nicht mehr nützlich.

 

Das nonverbale Verhalten, die Körpersprache, Mimik, Gestik, Sprechtempo/ Tonalität ist ein wesentlicher Beitrag (meist sogar über 50 %) jeglicher Kommunikation. Das Lachen beispielsweise ist physiologisch gesehen ein hoch komplexer Vorgang, wobei wir künstlich aufgesetztes Lachen erkennen können. Ist das Verhalten nicht kongruent, d.h. der Inhalt der Worte passt nicht zum nonverbalen Verhalten löst das Verwirrung aus und wir glauben dem nonverbalen Verhalten. Gleichzeitig zeigt sich ein Blick in das Innere eines Menschen: Worte können durch den kognitiven Teil gesteuert werden, das nonverbale Verhalten nur sehr beschränkt. Einige Beispiele für möglicherweise inkongruentes Verhalten

 

Auch bei Meetings ist die Struktur der wesentliche Beitrag zur Effizienz im Sinne von Länge des Meetings und bleibendem Erfolg. Dazu gehören folgende Punkte:

 

Die meisten oder alle obigen Inhalte sind Ihnen bekannt und klingen nicht neu, es entsteht kein „WoW“- Effekt, es ist lediglich die Zusammenfassung eines Praktikers. Nun es ist sehr einfach diese Dinge damit als erledigt zu sehen.

Allerdings sind die wesentlichen Fragen nicht beantwortet: Inwieweit setze ich die dargestellten Dinge in meiner täglichen Arbeit gänzlich um? Und auf welche drei Dinge werde ich in den nächsten vier Wochen besonders achten und sie konkret morgen umsetzen?

Ich wünsche Ihnen dabei viel Erfolg und Leichtigkeit!

 

PS: Personenbezogene Bezeichnungen, die in diesem Artikel aus Gründen der besseren Lesbarkeit nur in männlicher Form angeführt sind, beziehen sich in gleicher Weise auf beide Geschlechter.


[1] vgl. R. Schell: Das Herz im NLP

[2] vgl. M. Rosenberg: Gewaltfreie Kommunikation, weiters B. Brüggemeier: Wertschätzende Kommunikation

[3] vgl. B. Brüggemeier: Wertschätzende Kommunikation

 

© Bild: www.shutterstock.com

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