Stefan Jezl Führungskräfte Trainer & Coach Wien

Selbstwahrnehmung – Meine Gefühle als innere Unterstützer

Selbstwahrnehmung, die eigenen Gefühle erkennen und akzeptieren, während diese auftreten. Diese Fähigkeit ist entscheidend für das Verstehen des eigenen Verhaltens und der eigenen Antriebe. (Hintergrund: Viele Menschen fühlen sich gegenüber ihren Gefühlen ausgeliefert, lehnen sie ab und bekämpfen oder vermeiden sie – statt sich der Tatsache bewusst zu sein, dass sie Emotionen aktiv steuern können, wenn Sie in der Lage sind, diese dankend anzunehmen!)

In Verbindung mit einer hohen Neigung zur Selbstreflexion ermöglichen diese Fähigkeiten, Ziele im Einklang mit dem eigenen Wertesystem in Abstimmung mit den eigenen Stärken, Schwächen und Grenzen zu definieren. Diese mit hoher Kraft und Intensität, aber auch mit einem angenehmen Gefühl der Anstrengung zu verfolgen und schließlich mit einem Gefühl der Freude und des Stolzes zu erreichen.

Aus meiner Erfahrung bin ich überzeugt, dass dieses Wissen und diese Fähigkeiten der eigenen Person ein starkes Selbstvertrauen und damit eine starke „Präsenz“ als Führungskraft entwickeln. Konstruktive Kritik und schwierige Aufgaben werden ohne Energieverlust angenommen.

Bei komplexen Aufgaben oder hoher Informationsflut im Führungsalltag habe ich meine Intuition („Es fühlt sich gut an“) oft zu Hilfe genommen. Intuition speichert unbewusst unsere Erfahrungen und Bewertungen. Sie ermöglicht eine wichtige Orientierungshilfe, um komplexe Aufgabenstellungen und Entscheidungen besser lösen zu können. Je größer unser Erfahrungsschatz in einer Themenstellung ist, desto mehr können wir uns auf unsere Intuition in dieser Themenstellung verlassen. Das heißt auch gleichzeitig, habe ich keine Erfahrung in einem Thema, ist auch die Intuition kein guter Ratgeber!

Unsere Gefühle sind der Motor oder auch Wächter unseres Lebens. Sie sind mentale Manifestationen von Gleichgewicht und Harmonie, von Dissonanz und Missklang. Sie besitzen eine Schutzfunktion und machen unser Leben reichhaltiger. Auch lenken Gefühle unsere Aufmerksamkeit auf bestimmte Aspekte eines Problems besonders unter Berücksichtigung früherer Erfahrungen und verbessert auf diese Weise die Qualität der Entscheidung: Es soll die Handlungsoption ausgewählt werden, die gemessen an früheren Erfahrungen zum bestmöglichen Ergebnis führt. So strebt unser Unterbewusstsein nach Auflösung von Problemen aus Kindheitserfahrungen indem sie immer wieder zu Tage treten. Passt ein Gefühl nicht zur Situation handelt es sich meist um Gefühle, die durch unerledigte Themen (schlechte Erfahrungen meist aus unserer Kindheit) entstehen.

Ob ein Gefühl positiv (ressourcenreicher Zustand) oder negativ (ressourcenarmer Zustand) empfunden wird ist kontextabhängig. V. Satir stellte fest, dass nicht immer das eigentliche Gefühl unser Verhalten bestimmt, sondern das Gefühl, das wir über dieses Gefühl haben. So fragte sie ihre Klienten häufig zuerst: „Wie fühlen Sie sich dabei?“, um im Anschluss zu fragen: „Und wie fühlen Sie sich damit, dass Sie sich so fühlen?“ Die häufigsten reaktiven Gefühle– Gefühle, die wir über unsere Gefühle haben, -sind Verletzung, Angst und Wut.

 

Manche Gefühle wirken eher nach innen [1]:

Angst, Zorn, Scham, Traurigkeit, Überraschung, Ekel, Freude, Lieben

Manche Gefühle wirken eher nach außen:

Furcht, Wut, Schuld, Trauer, Neugier, Verachtung, Glück, Liebe

Manche Gefühle haben Ziele:

Zorn- Ziel der Versöhnung

Hass- Wille zur Zerstörung

Wut- Sehnsucht nach Verständnis oder Wahrgenommen werden

Glück- Ziel der inneren Ruhe

Traurigkeit- zielt auf Trost ab

 

Ein Gefühl wird automatisch produziert, wenn es einen emotionalen Stimulus entdeckt. Dieser Stimulus kann ein Objekt, ein Ereignis, ein Gedanke oder auch ein körperlicher Zustand sein. Gefühle sind die Spiegelung des Inneren. So kann auch eine entsprechende Körperhaltung ein Gefühl auslösen (Ziehen Sie leicht die Mundwinkel hoch, und fühlen Sie was passiert!). Diese Auslösereize können evolutionär oder aus dem eigenen Leben- der Erfahrung – erlernt sein. Auf diesem emotionalen Stimulus reagiert das Gehirn mit einem Handlungsrepertoires (verhaltenstechnisch, körperlich, organisch), das angeboren oder auch aus Erfahrungen erlernt wurde. Immer mit dem Ziel des Überlebens und möglichst unmittelbaren Wohlbefindens.

Neurobiologisch beginnt die Kette des emotionalen Reizes mit einer oder mehreren Repräsentationen innerhalb der sensorischen Verarbeitungssysteme des Gehirns. Diese Repräsentationen werden an mehrere Gehirnstrukturen geschickt, unter anderem an den Mandelkern (siehe auch unten). Dieser wird aktiv, wenn mit Damasios Worten „der Schlüssel ins Schloss passt“.

Auch ist uns der Auslösereiz in manchen Fällen nicht bewusst, somit gelingt es uns manchmal nicht den Ursprung des affektiven Zustandes zu entdecken! So kann der vermehrte Ärger gegenüber einem Arbeitskollegen aus schlechter Arbeitsleistung, Unzuverlässigkeit oder Profilierungssucht erklärt werden. Es könnte aber auch die Möglichkeit bestehen, dass der Arbeitskollege uns unbewusst an einen äußerst unangenehmen Schulkameraden oder gar an Ihren ungeliebten Vater erinnert.

 

Gedanken verstärken in der Regel das bestehende Gefühl. Diese Verstärkung löst wiederum weitere Gedanken aus, die wiederum verstärken und dieser Kreislauf setzt sich fort, bis Ablenkung oder ein kognitiver Prozess – die Vernunft oder erlernte Techniken- diesem Ablauf ein Ende setzen. Somit kann ein „ausschließlich“ vernunftbezogener Mensch vielleicht kontrollierter mit seinen Gefühlen umgehen, verhindern kann er sie aber keinesfalls!

 

Vor allem bei Männern gibt es vier Muster/ Strategien um Emotionen nicht zuzulassen, damit auf der Sachebene zu bleiben und die Beziehungsebene auszublenden [2]:

  • Externalisierung: Der Focus wird auf die Außenwelt gerichtet, um das Fühlen nach Innen zu vermeiden. Sprachlich erkennt man dies an der Formulierung „man“ und Vermeidung der „Ich“- Form. So manche analytische Lösungsorientierung des Ehepartners im Zweiergespräch mit der Ehefrau hat das Bedürfnis der Ehefrau nach Gefühlsaustausch keineswegs befriedigt. Zum Unverständnis des Mannes provoziert die im Gespräch angebotene analytische Lösung des Mannes wahre Emotionen des Ärgers bei der Ehefrau.
  • An den Verstand appellieren „Sachlich zu bleiben“
  • Eine sachliche Diskussion beginnen. Hängt mit der Externalisierung zusammen
  • Sollte es emotional werden, Thema wechseln oder Ablenken (oft werden andere Personen oder Themen ins Spiel gebracht)
  • Schweigen und auf Durchzug schalten (Hierbei erkennen wir am deutlichsten das Aufschieben des Themas und damit keinesfalls einen Beitrag zur Lösung!)

 

Natürlich sind diese Strategien in Geschäftsgesprächen dienlich, um entstehende Konflikte im Gespräch zu verhindern. Sie können aber nie Beitrag zur Lösung sein.

 

Diese Orientierung nach außen erzeugt eine innere Leere. Diese innere Leere kann kurzfristig unterstützend sein, da man Problemstellungen damit wegschieben kann und unangenehme Themen ausblendet oder verdrängt. Über die Zeit holen einen diese Themen wieder ein. Auch kann Ablenkung, Verdrängung oder die Flucht in neue Statussymbole (mehr Macht, Geld, Sportwagen, neuer Partner) die innere Unzufriedenheit nur einen begrenzten Zeitraum bekämpfen. Daraus resultiert ein zwanghaftes Verhalten nach weiterer Ablenkung und Verdrängung und somit eine immer stärkere Entfremdung von den eigenen Bedürfnissen. Ich habe in den letzten Jahren oft gesehen, dass hohe Bonifikationen ein Verlangen nach mehr und in den seltensten Fällen ein hohes Maß an Zufriedenheit ausgelöst hat.

Warnsignale des Körpers (Verspannungen, Schmerzen, Herz/ Kreislauf/ Magenbeschwerden), Suchtverhalten wie Rauchen oder Alkohol oder Burnout- Syndrome führen mit immer größeren Tempo in die Einbahnstraße.

 

Im Allgemeinen gibt es drei Möglichkeiten des Umganges mit Gefühlen (nach John Mayer):

  1. Achtsam: Dieser Typus nimmt seine Stimmung und Gefühle wahr und geht mit ihnen bewusst um, im Sinne von schnellem Überwinden negativer- und Betonen positiver Emotionen.
  2. Überwältigt: Emotionen erzeugen eine Überflutung, einen Tsunami, dem man hilflos ausgeliefert ist. Es kann kaum etwas gegen schlechte Stimmungen unternommen werden, da man glaubt keinen Einfluss auf seine Emotionen zu haben oder haben zu können.
  3. Hinnehmend: Menschen dieses Typus sind sich ihrer Emotionen im Klaren, und neigen dazu ihre Stimmungen hinzunehmen, wobei Menschen mit positiver Grundstimmung auch wenig Anlass zur Veränderung haben, allerdings Menschen mit der Anfälligkeit für schlechte Stimmungen können aus solch einer Grundhaltung leicht in die Depression folgen, da Sie sich mit der Verzweiflung abfinden.

 

Viele kennen das Gefühl des Ärgers im Büro, der beginnt langsam hoch zu kommen, wenn Dingen nicht wie erwünscht erledigt sind oder ein Kollege zum Reizsignal wird. Nun liegt es an uns, ob wir cholerisch schreien, den Ärger runterschlucken oder ihn als Antrieb verwenden, um an der Situation konkret durch Handlungen oder anderes Verhalten etwas zu ändern.

 

Das Ziel ist Ausgeglichenheit, nicht Unterdrückung der Gefühle. Jedes Gefühl hat seinen Wert und seine Bedeutung. Gewünscht ist, wie Aristoteles bemerkte, die angemessene Emotion, das den Umständen entsprechende oft notwendige Gefühl. Die stoische Unerschütterlichkeit im Stile eines Clint Eastwood kann als Abwehr gegen das Gefühl der emotionalen Überwältigung dienen, wobei dabei nicht nur Angst und Trauer sondern ebenso Freude und Liebe ersticken.


[1] vgl. T. Bergner: Gefühle

[2] vgl. A. Groth: Führen mit EQ

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